Bruessel 2016

         

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 Mit „Jugend forscht“ auf internationaler Bühne -

Erfurter Spezis erfolgreich bei der EUCYS 2016 in Brüssel

Die Aufregung ist schier greifbar am 19. September in der Lobby des Plaza-Hotels Brüssel, als Paul Rathke, Christian Schärf und Friedrich Wanierke auf die Preisverleihung zur EUCYS 2016 warten. Vier Tage lang haben sie ihr Jugend-forscht-Projekt „Rot wie Blut. Entwicklung einer chemischen Synthese für Edelsteine auf Basis von alpha-Aluminiumoxid“ vor internationalem Publikum präsentiert, Jurygespräche geführt, haben sich mit ihren Teamkollegen aus Deutschland angefreundet, Bekanntschaften zu Jugendlichen der teilnehmenden 40 Nationen geknüpft und sich auf deren Projekte eingelassen, den berühmten „Blick über den eigenen Tellerrand“ gewagt. Die EUCYS (European Union Contest for Young Scientists)  ist ein von der Europäischen Union ausgerichteter Wettbewerb für den wissenschaftlichen Nachwuchs und wird in jährlich wechselnden Gastländern ausgetragen. Deutschland war mit drei Projektgruppen vertreten, insgesamt traten 90 Projektgruppen an. Der inhaltliche Rahmen ist etwas breiter als bei „Jugend forscht“, so gibt es bei EUCYS zehn Rubriken, neben den Naturwissenschaften sind u.a. auch Wirtschaft und Sozialwissenschaften vertreten. Unsere drei Spezis Paul, Christian und Friedrich traten in der Sparte Chemie an und sahen sich in Konkurrenz zu neun weiteren Chemieprojekten. Das fachliche Niveau ist absolut spitze, alle EUCYS-Teilnehmenden hochmotiviert, die Poster an den Messeständen richtig top. Mit all diesen Eindrücken im Kopf warten die drei nun auf den Einlass, unterstützend sind ihre Eltern und Geschwister mit dabei, die ebenfalls tief beeindruckt von den Jungforschern der Messe sind, und da fällt der Satz: „Frau Dr. Purgahn, dieses Mal werden wir wohl nichts gewinnen.“ Ehrlich, das habe ich mir auch gedacht, obwohl mich ihr kristallchemisches Rubinprojekt nach wie vor fasziniert und anspricht, aber tatsächlich empfand auch ich die Konkurrenz als stark.

Diese Momente in der Hotellobby bleiben uns allen in Erinnerung, selbst wenn sie schon eine Stunde später von noch stärkeren Emotionen übertroffen wurden. Wir erlebten eine sehr feierliche Auszeichnungsstunde, die Europäische Hymne erklang und die Leistungen der Jugendlichen fanden eine besonders festliche Würdigung. Sicher, in den vier Jahren als Mentorin für die drei Nachwuchschemiker und in den zwei Jahren der Fachbetreuung ihrer Arbeit zum Rubin, da sind wir uns schon auf Augenhöhe begegnet. Ich freute mich mit ihnen, als sie am 29. Mai beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ in Paderborn den Bundessieg errangen, überhaupt: den ersten Bundessieg für Thüringen! Dass ihr Projekt für die EUCYS ausgewählt wurde, dass auch ich dank der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) mit dabei sein durfte, das allein war schon sehr groß. Doch nun wurden die drei aufgerufen und sie nahmen den Sonderpreis für das beste Chemieprojekt entgegen, den EUCHEMS-Preis der European Association for Chemical and Molecular Sciences. Während selbst Dr. Sven Baszio, der Teamleiter der deutschen Delegation, mitjubelte und wir alle applaudierten, die drei regelrecht vom Erfolg überrascht auf die Bühne gingen, da war nicht nur ich richtig stolz. In der Laudatio wurde ihre kritische Reflexion der erzielten Ergebnisse gewürdigt, das Kennzeichen für Naturwissenschaftler.

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Brüssel hinter sich lassend, nahmen sie am 23. September beim Empfang der Bundeskanzlerin teil. Und auch das soll noch nicht der Schlusspunkt zum Rubinprojekt gewesen sein. Christian, Paul und Friedrich haben mittlerweile ihr Studium aufgenommen, daher ereilte mich per Mail: „Hallo Frau Dr. Purgahn! Ich hatte am Telefon glatt vergessen zu sagen, dass wir zum INTEL 2017 nach Los Angeles eingeladen sind.“ ISEF steht für International Science an Engineering Fair, teilnehmend rund 1700 Jugendliche aus 75 Nationen. Großartig, wie man mit ganz kleinen Kristallen in die große weite Welt kommt!

Wenn man es denn nachmachen wollte, wie Christian, Paul und Friedrich, sogar international weit vorn mit dabei zu sein, einen Erfolg nach den anderen zu toppen,  dann habe auch ich kein Standarderfolgskonzept. Was aber die drei über die ganzen Jahre hinreichend bewiesen haben, sind Ausdauer, Leidenschaft und Akribie. Sie sind Experten geworden auf ihrem fachlichen Gebiet und auch im Präsentieren. Jeder hat seine Rolle gefunden, sie sind an ihren Aufgaben reifer geworden, charmant und diplomatisch. Es verbindet sie eine Freundschaft und Vertrautheit, die inniger kaum sein kann. Und wenn sie zwei ägyptischen Teilnehmerinnen ihr Projekt am Stand erklären (siehe Foto), dann sehe ich die Begeisterung von einst, wie wir bei Prof. Krautscheid im Dienstzimmer an der Universität Leipzig sitzen und erstmals von der Idee, Rubinkristalle im Labor zu synthetisieren, sprachen. Das alles ist noch da und alles ist echt.

Dr. Uta Purgahn, Oktober 2016